… dass es wieder Spaziergänge zu Wiener Besonderheiten gab.

Beitrag vom 30. 06. 2012

Während der vergangenen „Langen Nacht der Kirchen“ wieder Rundgänge durch die City der Stadt Wien angeboten wurden. Ich habe an allen drei Touren teilgenommen und es war für mich sehr interessant, einmal in meiner Heimatstadt wie ein Gast verschiedene Stellen aufzusuchen und erklärt zu bekommen – was sonst nur anderswo während Urlaubs-, Pilger- und Bildungsreisen passiert. Jeder Gang war mit 45 Minuten anberaumt. Der Andrang war sehr groß und es waren gleichzeitig mehrere Gruppen unterwegs.

1) Die erste Runde widmete sich der geistlichen Musik: Was wären die Kirchen ohne Musik? Die meisten großen Komponisten haben Teile der Messe oder andere geistliche Texte vertont: Haydn, Mozart, Bruckner, Beethoven, adelige Herrscher komponierten und führten zum Teil ihre Werke an knapp hintereinander liegenden Orten (Kirchen, Palais) in der Innenstadt auf – welch eine Fülle musikalisch-geistlichen Könnens!

2) Die zweite Betrachtung war besonders kulturgeschichtlich faszinierend: Am Stephansdom wurde die Geschichte des Kirchenbaus sehr detailliert erörtert und anschaulich vorgeführt. Ein Gang durch die verschiedenen Epochen mit Begründungen des Wandels von einer zur anderen standen am Programm. Die Kathedrale als ein Bilderbuch der geistigen Strömungen ihrer Zeit.

3) „Katholischer Widerstand im Nationalsozialismus“ war die Überschrift der dritten Tour. Beeindruckend und doch auch erfreulich, wer sich aller – trotz des Zeitgeistes und der vorsichtigen Kirche selbst – gegen das brutale Regime wandte. Es gibt im 1. Bezirk in und an Kirchen Asche aus Mauthausen und Auschwitz, ein Holzkreuz aus Dachau und weitere Gedenkpunkte religiös motivierten Dagegenseins – so u. a. das Symbol O5 an der Außenmauer des Domes (als Zeichen einer patriotisch-österreichischen Bewegung wider das 1000jährige Reich, dass hierorts nur 7 Jahre währte). Die größte je im Deutschen Reich abgehaltene Gegendemonstration war die Rosenkranzandacht im Herbst 1938 mit ein paar Tausend Jugendlichen in der Stephanskirche.
Pfarrer Marcel Berger